Nichts zu lachen? Dann lesen Sie dieses Buch!
Humor, der kleine Bruder der Ironie, ist platt, schwarz, verdeckt oder einfach nur Evers. Lässt sich die verlorene Mütze mittels Google wieder finden? Warum ist die Erkrankung Bursitis viel wohlerzogener, als ein gemeiner, anhänglicher und streitsüchtiger Schnupfen? Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, warum die Rap-Musik tatsächlich ihre Entstehung finden konnte? Fragen über Fragen, die uns alle betreffen und in „Mein Leben als Suchmaschine“, geschrieben von Horst Evers, eine Beantwortung finden, die ein ums andere Mal einen heftigen Lachreiz auslöst.
Das Leben ist ja wirklich nicht immer zum befreiten Lachen geeignet und ob man sich nun seine Gedanken darüber macht, warum man mitunter beim simplen Fensterputzen die religiösen Empfindungen bestimmter Religionsangehöriger stören kann oder wie die Schokolade, behaftet mit einem RFID-Chip, den Hosen im eigenen Schrank mit einem „Ich mach euch fertig!“ droht, lässt durchaus eine berechtigte Forderung nach Antwort aufkommen. Horst Evers war mir ehrlich gesagt, bis zum Eintreffen dieses Buches, nur vage ein Begriff, aber nach dem Lesen der Lektüre kann ich nun bestens verstehen, weshalb dieser Mann nicht nur in Berlin als Unikat bekannt und beliebt ist.
Auf den ersten paar Seiten des Werkes dachte ich noch darüber nach, welch platten, versuchten Humor der Autor seinen Lesern nahe bringen will. Aber ich gestehe, schon ab Seite 28 konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen und das mit einem Dauergrinsen. Selten habe ich derartig scheinbare, querdenkende Gedanken gelesen und ich muss ehrlich zugeben, ich bin wahrlich beeindruckt. Horst Evers hat einen Humor und Ironie in seinem Schreiben, dass sich der schmale Grat zur Satire wie an einer Leine durch die Seiten hangelt.
Wer „Mein Leben als Suchmaschine“ gelesen hat, der wird vielleicht in Kürze einen stabilen Eierkocher auf der Fensterbank stehen haben, der sich beim Fliegen immer wieder beweisen muss. Ist dieser von einem guten Fabrikat, dann ist die Überlebenschance dieses Gerätes gegenüber dem des fliegenden Routers aus der Nachbarschaft deutlich höher. Was angesichts der zukünftigen, intelligenten Haushaltsgeräte, die selber bestellen, und sei es leider auch mal zwei Tonnen Butter, nicht das Schlechteste ist.
Ob KGB, Paris Hilton, Mehdorn, die Berliner BVG, die in Wirklichkeit die heimliche Königin von Berlin ist oder die Religions-Flatrate mit Geld-zurück-Garantie - Horst Evers lässt so gut wie kein privates oder gesellschaftliches Thema aus. Während dem Lesen kann man herrlich schmunzeln, bekommt so ganz nebenbei humorig oder ironisch so manchen Missstand im Land (und somit auch von der Regierung) vorgesetzt, der einen neben all dem Witz doch auch gleich wieder nachdenklich stimmt und gibt scheinbar versteckte Denkanstöße, warum die Zukunft schon wieder veraltet ist. Leicht verdauliche Kost findet man in diesem Buch vor, denn die einzelnen Storys sind kurz, aber knackig und zum Weitererzählen gut geeignet, sofern man natürlich beim Erzählen nicht selbst durch das Lachen abgehalten wird.Fazit: Das Buch „Mein Leben als Suchmaschine“ von Horst Evers, ist eine sehr empfehlenswerte Lektüre, wenn man sich mit den unabänderlichen Alltäglichkeiten auf einer humorig-ironischen Ebene beschäftigen möchte. Doch vorab sei noch eine kleine Warnung anzumerken: Manchmal muss man sich beim Lesen selbst recht kreativ und querdenkend erweisen, um die witzige Scharfsinnigkeit auch wirklich in aller Gänze verstehen zu können. Hat man jedoch sein Gehirn auf „ich lass mal die Gedanken laufen“ eingestellt, fallen einem die Buchstaben, und das selber weiterdenken, aus dem Buch regelrecht zu.
Das 151 Seiten umfassende Buch ist im Rowohlt Verlag zu einem Preis von 7,95€ erschienen und sowohl im Buchhandel als auch direkt hier erhältlich.








