Monogame Beziehungen sind wie täglich Schnitzel
Es gibt Themen im Leben, die sind so richtig gewürzt. Wenn man sie erst einmal auf den Tisch der Tatsachen bringt. Nicht fades Schnitzel, sondern deftiger Feuertopf, um es mal im Küchenjargon auszudrücken. Allerdings liegt meine Betonung hierbei in „wenn“, denn nur die wenigsten Frauen und Männer trauen sich offen zu sagen, dass eine reine und ausschließlich monogame sexuelle Beziehung alles andere als ihr wahres Seelenheil bedeutet.
Bei unserem heutigen Thema werde ich ab und an indiskret. Aber wir sind ja unter uns und keiner kann die Gedanken des anderen lesen. Wobei wir hier auch schon in einem der Details der fatalen monogamen Beziehungen stecken: Gedanken und Fantasien und das Nicht-Gedankenlesen können. Haben Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin schon einmal liebevoll, jedoch intensiv danach befragt, ob er oder sie so richtig rundum glücklich ist? Also nicht in den Alltäglichkeiten, sondern viel mehr im sexuellen gemeinsamen Miteinander. Ich könnte wetten, dass die Prozentzahl derer, die hierauf ein „nein, bin ich nicht“ sehr gering sein wird. Wer will auch schon seinem Partner verraten, dass der gemeinsame Sex zwar schön, aber eben wie täglich Schnitzel oder Nudeln ist. Dass der Nachbar einen äußerst aufregenden Body hat, der regelrecht danach schreit mit weiblichem Fingerspitzengefühl erkundet zu werden. Oder das die süße Maus im Büro doch viel lieber vor einem auf dem Tisch anstatt an der Telefonzentrale sitzen sollte.
Nein, obwohl wir Tag für Tag mit Erotik und Sexthemen aus jeder Richtung zugeballert werden, ist und bleibt das Thema „Beziehung in Treue mit der Erlaubnis zum sexuellen Ausleben außer Haus“ ein Tabu. Pfui Deibel, wer macht denn auch sowas? Sie nicht, ich weiß. Aber vielleicht Sie? Im Geheimen. Still und leise. So ne kleine Affäre tut doch keinem weh. Oder der Besuch in einem Haus, wo Frauen (und ab und an auch mal Männer) darauf warten, mehr als nur einige Stunden Freude zu schenken.
Wissen Sie, dieses Thema hat nicht nur mich selbst schon mehrfach gestreift, sondern sorgt auch im Bekannten- und Freundeskreis immer wieder für hitzige Diskussionen. Eine der Fragen hierbei lautet dann oft: Ist der Mensch für eine ausschließlich monogame sexuelle Beziehung geschaffen oder ist das wider jegliche Natur? Eine weitere bezieht sich dann auch ganz schnell auf das Thema Treue. Ist man untreu, wenn man seine Fantasien und Sehnsüchte im rein körperlichen Bereich auslebt und ansonsten voller Liebe und geistiger sowie seelischer Treue zu seinem Partner steht? Lässt sich das trennen oder muss das alles nur auf eine Person bezogen sein? Sie stellen fest, alles Fragen, die aus einer kleinen Flamme der Diskussion eine TNT-Explosion werden lassen können. Die Androhung von Trennung oder Scheidung dann inklusive.
Mal unter uns gesagt: Ist es nicht viel ehrlicher, wenn beide Partner gleich zu Beginn einer (möglichen) Beziehung auch über dieses Thema sprechen? Offen und ehrlich? Leider zeigt sich jedoch in der Regel, dass genau das nicht getan wird. Dafür dann eben obengenannte Flirts, Affären, Seitensprünge, mehr oder weniger regelmäßige Besuche bei einer Prostituierten und das tägliche Konsumieren von Pornografie in jeglicher Form. Besser? Ich bin der Meinung, das ist alles andere als ehrlich, fair und gut, zumal die körperliche Lust meines Erachtens nur bedingt etwas mit der seelischen Liebe gemeinsam hat. Doch eine große menschliche Reife braucht es allemal, um einem potenziellen Partner sagen zu können, wie und was man zu dem Thema denkt. Was man sich im sexuellen Sinne wünscht. Welche Fantasien einen schlaflos werden lassen. Worin die große Neugier steckt. Was man selbst unter wahrer Treue versteht. Und damit dem Gegenüber die Chance gibt von Anfang an zu sagen „du sprichst mir aus der Seele“ oder auch „nein, damit kann und will ich nicht umgehen bzw. leben“. Letzteres wiederum führt folgerichtig zum mehr oder weniger sofortigen Ende der frischen Beziehung oder eben zu jahrelangem Verzicht und Hintergehen. Was ist dann die bessere Wahl? Könnte aber nicht genau in solch einem Verhalten die wahre Untreue stecken, welche die Person, die verzichtet und sich selbst in ihren Bedürfnissen verleugnet, mitunter auch noch krank oder aggressiv werden lässt?
Ob aus religiösen, gesellschaftlichen oder familiären Gründen: Schnitzel oder Feuertopf sollten thematisiert werden. Frühzeitig in einer Beziehung. Und ruhig auch aus verschiedenen Blickwinkeln im Freundeskreis diskutiert werden. Sie werden erstaunt sein, was da so alles an Pro und Kontra kommen wird. Wie viel Entsetzen und Empörung. Oft genug von denjenigen, die eine riesengroße Sammlung von Pornos im Schrank verstecken oder vor lauter unterdrückter sexueller Fantasien normalerweise Dauerpatient beim Psychiater sein müssten, das allerdings niemals zugeben würden. Wie dem auch sei, beim Thema „offene“ Beziehung gilt für mich, wie übrigens bei so gut wie allen Themen des Lebens: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Zumindest solange wie es beiden Beteiligten seelisch, geistig und körperlich gut geht. Ein Aspekt, der ja generell seine Gültigkeit haben sollte. Im Übrigen, so als Abschluss für heute, gilt das auch für „was ich mir zugestehe tun zu können, ist auch dir zugestanden“.
In diesem Sinne bin ich nun auf Ihre Gedanken und Kommentare gespannt…
Herzlichst Ihre Claudia









