Israelische Militärjets und ein Mord in Budapest
Am Morgen des 17. März fiel in Budapest der Syrier Basam Trache einem Mordanschlag zum Opfer. Die offensichtlich professionellen Killer verschwanden unerkannt mit dessen Aktenkoffer. Etwa zur gleichen Zeit bewegten sich zwei Spionageflugzeuge der Israelischen Luftwaffe im Tiefflug über der Stadt. Der Chef der Luftfahrtsabteilung der Nationalen Verkehrbehörde wurde entlassen und gegen vier weitere Beamte läuft ein Disziplinarverfahren. Gleichzeitig wird von offizieller Seite erklärt, dass es sich um einen Routineflug gehandelt hätte.
Nur äußerst vorsichtig berichten wenige Medien, außerhalb Ungarns, über den sonderbaren Vorfall. Gegen 7:00 Uhr morgens hielt der 52jährige syrisch-ungarische Doppelstaatsbürger, Basam Trache, mit seinem schwarzen Mercedes bei einer Kreuzung im 16. Bezirk von Budapest an. Von mehreren Schüssen, aus, mit Schalldämpfern ausgestatteten Waffen, wurde er getötet. Die Mörder flüchteten zu Fuß mit dem Aktenkoffer des, seit zwei Jahrzehnten in Budapest Lebenden, der von Beruf zwar als Veterinär-Chirurg galt, allerdings auch als Geldwechsler bekannt war. In diesem Milieu soll es in Budapest während der vergangenen zehn Jahr nicht weniger als 123 Mordfälle gegeben haben.
Während dieses Attentat erst am folgenden Tag in den Zeitungen Erwähnung fand, veröffentlichte eine regionale ungarische Zeitung, Magyar Nemzet, die als politisch rechts eingestuft wird, schon am 17. März Photos von zwei israelischen Militärflugzeugen vom Typ Gulfstream V, die am Morgen des gleichen Tages am Budapester Flughafen kurz aufsetzten, ihren Flug aber sogleich wieder fortsetzten. Zwar handelt es sich bei diesem Flugzeugtyp um Businessjets mit einer Reichweite von über 10.000 Kilometern, doch werden sie auch für militärische Zwecke eingesetzt. In Israel findet ein modifiziertes Modell, mit spezieller elektronischer Ausstattung, seit 2005 Verwendung. Die exakte Uhrzeit des Auftauchens der israelischen Militärflugzeuge wird zwar nicht angegeben, doch scheint ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Mordfall und der Präsenz der Maschinen nicht auszuschließen zu sein.
Dies führte rasch zu Spekulationen, dass es sich um eine Aktion des Geheimdienstes Mossad handeln könnte. Erst am 19. Januar wurde in Dubai ein Hamas-Führer von israelischen Agenten ermordet, die unter anderem mit deutschen Reisepässen ausgestattet waren.
Die ungarische Polizei vermutet keine Verbindung zwischen dem Mordfall und dem Auftauchen der israelischen Spionageflugzeuge. Dabei hätte es sich um eine Routineübung gehandelt, erklärte der Sprecher der ungarischen Regierung, Domokos Szollar.
Gleichzeitig begründete der ungarische Verkehrsminister Péter Hónig die Entlassung des Chefs der Luftfahrtsabteilung damit, dass dieser die Geheimdienste über die Übung der israelischen Militärflugzeuge nicht informiert hätte.
Am 25. März schrieb die Jerusalem Post, dass der israelische Botschafter in Ungarn, Aliza Bin Noun, das Auftauchen der beiden Flugzeuge als diplomatische Mission erklärt hätte. „Natürlich waren es keine Spionageflugzeuge“, wird er wörtlich zitiert. Im gleichen Artikel wird eine Verbindung zwischen dem Mord und der gleichzeitigen Präsenz der Flugzeuge als "wahrscheinlich nicht in Verbindung stehend" (likely unconnected) beurteilt. Warum die „diplomatische Mission“ ohne Aufenthalt gerade nach Budapest führte, wird in der Jerusalem Post folgendermaßen erläutert:
„Wegen des, innerhalb Israels, limitierten Luftraumes, fliegt die israelische Luftwaffe (IAF) regelmäßig ins Ausland, um für Langstrecken-Einsätze zu üben, hauptsächlich mit dem Ziel der Vorbereitung für mögliche Militäranschläge gegen nukleare Einrichtungen im Iran.“



