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Internet-Zensur

google_zensur150Wie The Intelligence vor kurzem berichtete, wurden vor einem Mailänder Gericht drei leitende Angestellte von Google zu jeweils sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt (die Urteile sind noch nicht rechtskräftig). Ursache dafür war ein, bei Youtube eingesetztes, Video, das Jugendliche dabei zeigte, wie sie einen behinderten Mitschüler grob misshandelten. Der Umstand, dass dieses Video sofort entfernt wurde, nachdem User die Anstößigkeit gemeldet hatten, galt für das italienische Gericht nicht als ausreichend, um von einer Schuld zu befreien. Plötzlich blockiert Google Webseiten-Treffer in der Suchmaschine. Der direkte Hinweis darauf lässt vermuten, dass es sich um eine Revanche gegen das Urteil handelt.

Bis dato verhielten sich Suchmaschinen, was die Themen betrifft, neutral. Für den Inhalt verantwortlich ist der Betreiber der Seite und, in extremen Fällen, wie etwa Kinderpornographie, auch der Besucher. Plötzlich kann es aber passieren, dass, neben einer bestimmten Anzahl von Treffern, folgender Text auftaucht:

Aus Rechtsgründen hat Google 3 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über diese Rechtsgründe finden Sie unter ChillingEffects.org.

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Wie und nach welchen Kriterien entscheidet Google, welche Webseiten als Treffer erscheinen und bei welchen es rechtliche Probleme geben könnte? Die Suchbegriffe, die zu Zensur-Meldungen führen, sind grundsätzlich Nebensache. Bei den blockierten Webseiten handelt es sich, aller Wahrscheinlichkeit nach, um Texte, die keinerlei Einsicht verdienen. Was jedoch über alle Maßen schockiert und zu weitgehenden Protesten führen sollte, ist der Umstand, dass der von uns allen geschätzte freie Informationsfluss im Internet plötzlich nicht mehr existiert. Wir haben uns daran gewöhnt, dass ein Medium, in dem jeder seine Ideen veröffentlichen kann und darf, wesentlich mehr Unsinn als Sinnvolles verbreitet. Wir haben gelernt, zwischen wertvoller und wertloser Information zu unterscheiden. Und plötzlich taucht eine Instanz auf, die das Denken für uns übernimmt. Heue mögen es wertlose Artikel sein, die der Zensur zum Opfer fallen. Und morgen? Kritik am Steuersystem? Kritik am Afghanistan-Krieg? Jede Kritik schlechthin?

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Wurde nicht immer wieder erwähnt und angekreidet, dass in der kommunistischen Diktatur, China, den Bürgern der Zugang zum freien Internet unterbunden wird? Haben wir nicht geglaubt, dass in unseren Landen, in westlichen Demokratien, so etwas nicht passieren kann? Sind wir nicht stolz auf das Recht der freien Meinungsäußerung?

Schon an anderer Stelle haben wir den amerikanischen Professor für Linguistik, Noam Chomsky, zitiert, der sagte:

„Wenn wir nicht an die freie Meinungsäußerung der Menschen glauben, die wir verachten, dann glauben wir überhaupt nicht daran.“

Die Webseiten, die von Goolge hier blockiert wurden, interessieren uns vermutlich ohnehin nicht. Aber, lassen wir diesen Schritt zu, dann, und davon bin ich überzeugt, werden sich die Einschränkungen immer mehr ausweiten. Sobald ein Prinzip einmal umgestoßen ist, sobald dieser erste Eingriff Akzeptanz findet, mit welchem Argument sollten dann weitere Einschränkungen, natürlich immer nur zu unserem eigenen Schutz, verhindert werden? Lassen wir uns nicht davon blenden, dass es für die bis jetzt eingretenden Fälle Gründe der Rechtfertigung gibt. Zensur zu bekämpfen bedeutet nicht, sich mit den Themen zu identifizieren, gegen die sich der erste Schritt richtet. Es ist der zweite Schritt, den es zu verhindern gilt!

Übrigens, Google verdient dabei ein großes Dankeschön, dass auf die Zensur so deutlich verwiesen wird. 

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  05.02.2012 The Intelligence
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