Montag , 24 April 2017
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Datensammlung durch iPhones ist nur die Spitze vom Eisberg

iPhone4_steve_jobsHandelt es sich um Zynismus oder wirklich um Unwissenheit, wenn Frau Minister Aigner sich Apple gegenüber stark macht und Aufklärung fordert. Alle Handys und GPS-Geräte speichern Daten, also nicht nur die von Apple, auch nachdem sie vom Nutzer gelöscht wurden. Und es scheint als würden auch die deutschen Behörden zu den Kunden von „Cellebrite“ zählen, einem Hersteller von Geräten zur Entschlüsselung dieser Daten mit Geschäftssitz in Israel und einer Niederlassung in Paderborn. Wenn Sie gewohnt sind, den Speicher Ihres Mobil-Telefons regelmäßig zu löschen, verfügen Sie zwar selbst über keinen Zugriff mehr, dafür jedoch der „Große Bruder“.

Wieder einmal tauchen Meldungen über die Verletzung des Datenschutzes durch technische Geräte auf. In erster Linie geht es, den Berichten zufolge, um Produkte des amerikanischen Herstellers Apple. iPhones und iPads, beide mit GPS ausgerüstet, speichern kategorisch die Aufenthaltsorte ihrer Benutzer. Das fanden die beiden IT-Experten Alasdair Allan und Pete Warden heraus. Wie Zeit-Online wissen lässt, fordert Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner Aufklärung über Sinn und Zweck derartiger Datensammlungen.

Daneben gibt es aber auch Meldungen, dass Googles Android Software genau das gleiche tut.

Wie die Financial Times Deutschland berichtet, gibt es vorläufig weder Stellungnahmen von Apple noch von Google. „Diese Speicherung von Standortdaten ohne Kenntnis der Betroffenen wäre nach deutschem Datenschutzrecht sicherlich nicht zulässig“, wird der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar zitiert.

Wesentlich weniger Aufmerksamkeit wird von den Medien einem Unternehmen mit Namen „Cellebrite“ gewidmet. Dabei handelt es sich um den Hersteller sogenannter „Universal Forensic Extraction Devices“ (UFED), Geräten, die den Behörden Zugang zu gespeicherten Daten in mobilen Geräten ermöglichen. Dazu eine Pressemeldung des Herstellers:

Paderborn, 24. März 2011 – Ab sofort steht mit dem UFED Physical Analyzer 2.0 die neueste Version der Mobilfunk-Forensik-Lösung von Cellebrite zur Verfügung. Damit verfügen Strafverfolgungsbehörden über ein noch robusteres und leistungsstärkeres Werkzeug zur Extrahierung und Analyse mobiler Daten von Handys und Navigationsgeräten. Die auf diese Weise einfach und kostengünstig gewonnenen Informationen, wie gelöschte Daten, Textnachrichten, Kontakte oder Anrufprotokolle, können als gerichtsverwertbare Beweise vorgelegt werden und damit zur Verurteilung von Kriminellen beitragen.

cellebrite_coming_very_soonEin Artikel bei MSNBC.com verweist auf Angaben des Unternehmens, dass die Daten von mehr als 3.000 verschiedenen Handy-Modellen ausgewertet werden können, wodurch 95 Prozent des Marktes erfasst seien. Im gleichen Artikel findet sich ein Verweis auf eine Ankündigung von Cellebrites eigener Webseite, wo in einem Feld (rechts unten), folgender Text zu lesen ist: „Sehr bald verfügbar: Zusätzliche bedeutende Durchbrüche, einschließlich Zugangslösungen für iPhone und Zugangsbetreuung für Android, erlauben die Umgehung von Sicherheitscodes der Benutzer, Windows-Phone-7-Betreuung und vieles mehr.“

Einer der wenigen deutschsprachigen Berichte über diese Geräte zum Knacken gesicherter und gelöschter Daten findet sich bei Sicherheit.info. Am Ende des Artikels wird erwähnt, dass es sich beim dem, 1999 gegründeten, Cellebrite um eine Tochtergesellschaft des japanischen Konzerns Sun Operation handelt. Auf Cellebrites Webseite findet sich als Hauptsitz folgende Adresse:

94 Derech Em Hamoshavot St.
Petah Tikva 49130, P.O.B 3925
Israel

Von drei weiteren Anschriften befindet sich eine in den USA, eine in China und die folgende in Deutschland:

Cellebrite GmbH.
Vattmannstrasse 1
33100 Paderborn
Germany

Auch wenn es keine offizielle Bestätigung dafür gibt, dass die beschriebenen Geräte durch die deutschen Behörden Verwendung finden, so spricht doch vieles dafür. Zu den Kunden zählen die Sicherheitskräfte von sechzig verschiedenen Ländern, die Bedienungsfunktionen sind in mehreren Sprachen, zu denen auch deutsch zählt, verfügbar, und eine Niederlassung in Paderborn wird sicher auch nicht ohne Grund unterhalten.

Im Rahmen der Verbrechensbekämpfung und zur Beschaffung von Beweismaterial handelt es sich bei diesen Geräten gewiss um eine begrüßenswerte Entwicklung. Trotzdem finden sich gleichzeitig schwerwiegende Punkte, die zur Kritik anregen. Schließlich sind von dem Umstand, dass Daten, auch wenn sie bereits gelöscht sind, noch immer abrufbar sind, nicht nur Kriminelle, sondern wir alle betroffen. Wer schützt vor Missbrauch, selbst wenn wir den Behörden restloses Vertrauen schenken? Abgesehen davon, wer kann uns versichern, dass die Geräte nur legitimen Organisationen zur Verfügung stehen? Ist es wirklich im Sinne des Käufers eines Mobiltelefons, dass jene Daten, die von ihm selbst gelöscht werden, für andere weiterhin verfügbar bleiben?

Ganz besonderes Augenmerk verdient gleichzeitig aber auch die einseitige Berichterstattung durch die Medien. Minister und Datenschutzbeauftragte geben vor, über die neue Enthüllung im Zusammenhang mit den iPhones und iPads entrüstet zu sein, während vergleichbarer Datenmissbrauch bereits gang und gäbe ist. Und, aller Wahrscheinlichkeit nach, auch die deutschen Behörden die Cellebrite-Geräte bereits einsetzen.

Übrigens, in bestimmten Kreisen sind diese technischen Errungenschaften schon seit längerem bestens bekannt. Dementsprechend werden von diesen Leuten nicht nur vertrauliche Daten gelöscht, sondern das ganze Gerät – sobald es einen Anlass dafür gibt – restlos zertrümmert. Als sogenannte Normalbürger sollten wir uns jedoch immer mehr ins Bewusstsein einprägen, dass fast jeder Schritt, den wir tun, Gespräche, Emails, gesendete oder empfangene Nachrichten, unsere Aufenthaltsorte, die Webseiten, die wir im Internet abrufen, die Bücher, die wir per Kreditkarte kaufen oder bei Amazon bestellen, all das ist irgendwo gespeichert und für irgend jemanden zugänglich. Weder der Schriftsteller George Orwell noch irgend ein Diktator der Vergangenheit hätte sich jemals erträumt, wie vollständig das Profil sein kein, dass sich im 21. Jahrhundert über praktisch jeden Menschen, der in der westlichen Welt lebt, erstellen lässt.

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