Montag , 25 Juli 2016
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Wikileaks: Monsantos Kampf um europäische Märkte

maisIm Zusammenhang mit gentechnisch verändertem Saatgut taucht immer wieder der gleiche Name auf: Monsanto. Erst kürzlich berichtete The Intelligence über eine, dank Wikileaks zur Veröffentlichung gelangte, Nachricht aus der US-Botschaft in Paris, die auf politischen Druck zur Unterstützung Monsantos schließen lässt. Ein ähnliches „Cable“ aus Madrid erlaubt noch besseren Einblick in die Strategie. Ein weiteres Detail verweist auf eine Absprache zwischen dem französischen Präsidenten Sarkozy und Repräsentanten von Greenpeace, welche besagt, dass die Umweltschutz-Organisation sich nicht gegen die französische Atompolitik stellen werde, solange Frankreich das Verbot gentechnisch manipulierter Nahrungsmittel aufrecht erhält.

Am Ende des Artikels „Wikileaks – US-Strafsanktionen gegen EU-Länder“ findet sich ein Posting mit Verweis auf dieses Cable, aus dem Jahr 2009, von der US-Botschaft in Madrid an das amerikanische Außenministerium. Vielen Dank für den Hinweis! Beim folgenden Beitrag handelt es sich nicht nur um eine Ergänzung zum genannten Artikel, das bei Wikileaks veröffentlichte Schreiben an das US-Außenministerium deckt in aller Deutlichkeit auf, wie die amerikanische Politik zur Unterstützung der Interessen bestimmter Konzerne eingesetzt wird.

Es geht um gentechnisch veränderten Mais mit der Bezeichnung MON810. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBL) hat dieses Monsanto-Produkt im Jahr 1998 für die EU zugelassen. Trotzdem ist der Anbau in Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich, Griechenland und Luxemburg untersagt. Das Cable, das zu Anfang über die Bedrohung des spanischen Marktes für gentechnisch manipulierter Produkte durch eine „gut koordinierte Kampagne“ berichtet, verweist im dritten Absatz auf die jüngste Unbedenklichkeitserklärung durch die EBL vom 29. Oktober 2008. Schon im nächsten Satz klagt der Autor des Schreibens, dass die Anti-MON810-Bewegung durch eine Vereinbarung zwischen dem französischen Präsidenten Sarkozy und Greenpeace/Friends of the Earth Unterstützung gefunden hätte. Im Austausch für ein Verbot des Anbaus der umstrittenen genmanipulierten Maissorte, würde Greenpeace bezüglich Sarkozys Atomenergie-Initiative die Augen verschließen. Sollte Spanien dem Druck der Gegner von MON810 nachgeben, würde dies unumgänglich Auswirkungen auf die Verbreitung im Rest der EU mit sich bringen.

Was dieses Schreiben, bei dem es sich um ein Ansuchen (Request) an die amerikanische Regierung handelt, letztendlich bedeutet, geht aus dem letzten Absatz hervor. Sowohl der spanische Staatsekretär Josep Puxeu als auch das Unternehmen Monsanto fordern „dringend“ die Unterstützung der amerikanischen Regierung, die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse der EBL durch ein Eingreifen auf „hoher Ebene“ zu unterstützen. Gleichzeitig wird die US-Regierung ersucht, einen unabhängigen Wissenschaftler bereitzustellen, der mit einflussreichen spanischen Gesprächspartnern zusammentreffen solle, um einen Aktionsplan zur Fortführung des Anbaus von MON810 in Spanien auszuarbeiten.

 

Ungeachtet wissenschaftlicher Untersuchungen, ergeben regelmäßig durchgeführte Befragungen, dass sich die Bevölkerung Europas mehrheitlich gegen den Anbau von gentechnisch verändertem Getreide ausspricht. Wie sich an den genannten Verboten und Beschränkungen in einigen Ländern, zu denen auch Deutschland und Österreich zählen, zeigt, vertreten lokale Politiker – wenn auch nicht in allen, aber zumindest in diesem Fall – die Wünsche der Bürger. Dem spanischen Staatssekretär Puxeu scheinen die Umsätze von Monsanto jedoch wichtiger als die Bedenken der Spanier. Wird die amerikanische Regierung auf diplomatischem Wege um ein Einschreiten gebeten, um die europäischen Märkte für Monsanto zu erobern, so würde dies, sofern die US-Regierung dem Anliegen nachkommt, bedeuten, dass sich manche Regierungen in erster Linie für die Interessen bestimmter Großunternehmen einsetzen. Natürlich ist diese Praxis kein Geheimnis. Doch durch dieses Cable, und es handelt sich natürlich um keinen Einzelfall, werden die Zusammenhänge belegt.

Am Ende des Schreibens steht der Name DUNCAN. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte es sich um William H. Duncan handeln, der auf der Webseite des US-Außenministeriums mit Datum 18. Dezember 2009 als „Berater in politischen Angelegenheiten“ an der spanischen Botschaft in Madrid gelistet ist. Seit August 2010 ist Duncan für die US-Botschaft in Asunción, Paraguay, tätig. Das folgende Interview (englisch) mit Miguel Lovera, Präsident der paraguayischen Landwirtschaftsbehörde SENAVE, aufgenommen im August 2010, verrät, dass in diesem Land seit Jahren illegal gentechnisch verändertes Saatgut von Monsanto angebaut wird. Erst in jüngster Zeit wurden Maßnahmen dagegen gesetzt, die sich unter anderem im Abbrennen illegal bepflanzter Felder ausdrückten. Ob William H. Duncan nach Paraguay übersiedelte, um sich der Unterstützung Monsantos zu widmen, darüber ließen sich leider keine näheren Angaben finden.

{youtube}PmeBaw28oKc{/youtube}

 

Für den Fall, dass besagtes Cable bei Wikileaks nicht einsehbar sein sollte, hier ist der vollständige Text:

 

VZCZCXRO7893

PP RUEHAG RUEHDF RUEHIK RUEHLZ RUEHROV RUEHSR

DE RUEHMD #0482/01 1391201

ZNR UUUUU ZZH

P 191201Z MAY 09

FM AMEMBASSY MADRID

TO RUEHC/SECSTATE WASHDC PRIORITY 0645

RUEHRC/DEPT OF AGRICULTURE WASHDC PRIORITY

INFO RUCNMEM/EU MEMBER STATES COLLECTIVE

RUEHLA/AMCONSUL BARCELONA 3981

 

UNCLAS SECTION 01 OF 02 MADRID 000482

 

SENSITIVE

SIPDIS

 

STATE FOR EUR/WE AND EEB/TPP/ABT/BTT

USDA FOR OSTA/LIZ JONES, OCRA/JOE KOWALSKI, OFSO/DAVE YOUNG

USEU for AGRMINCOUNS DEBRA HENKE

USEU ALSO FOR APHIS AGRMINCOUNS PETER FERNANDEZ

PARIS FOR AGRMINCOUNS ELIZABETH BERRY

BERLIN for AGRCOUNS BOBBY RICHEY

 

E.O. 12958: N/A

TAGS: EAGR ECON TBIO SP

SUBJECT: SPAIN’S BIOTECH CROP UNDER THREAT

 

MADRID 00000482 001.2 OF 002

 

 

¶1. (U) This is an action request. See paragraph 12.

 

SUMMARY

 

¶2. (SBU) Spain’s MON810 corn crop is under threat from an emerging

well-coordinated campaign to ban cultivation of genetically

engineered seed varieties in Europe, according to industry sources.

The campaign has gained strength and speed in recent months with the

April 14 German ban on MON810 cultivation – which followed an EU

vote supporting maintenance of a ban in Austria and Hungary.

Legislation which threatens MON810 cultivation has also been

introduced recently in both the Basque and Catalonian Regional

Parliaments.

 

¶3. (SBU) In response to invocation of a safeguard and emergency

measure to suspend MON810 cultivation in France, the European Food

Safety Authority’s (EFSA) Scientific Opinion of October 29, 2008

found no new scientific evidence of risk related to MON810

plantings. The EFSA report, however, is being questioned. Monsanto

maintains that anti-MON810 momentum was gained by a de facto

agreement between the Government of France and Greenpeace/Friends of

the Earth whereby the GOF would support the anti-GMO movement and

environmental activists would turn a blind eye to Sarkozy’s nuclear

energy initiatives. A senior Spanish agriculture official has

expressed concern that Spain is under increasing pressure within the

EU. Post requests renewed USG support of Spain’s science-based

agricultural biotechnology position, as well as support for a

non-USG science fellow to interact with Spanish interlocutors. End

Summary.

 

BACKGROUND

 

¶4. (SBU) Spain was the first EU country to grow genetically

modified (GM) corn and now cultivates nearly 75 percent of the EU’s

MON810 corn crop – nearly 200,000 acres. During a May 13 meeting

with Monsanto’s Director for Biotechnology for Spain and Portugal,

Embassy officials were told that Spain is increasingly becoming a

target of anti-biotechnology forces within Europe and that Spain’s

cultivation of MON810 corn was under serious threat. The sentiment

echoed by supporters of agricultural biotechnology regarding a ban

on MON810 cultivation in Spain is that „If Spain falls, the rest of

Europe will follow.“

 

¶5. (SBU) Anti-biotechnology activists in the EU have gained

momentum in recent weeks. On April 14, Germany announced a ban on

the cultivation of MON810 following similar bans in France, Austria,

Hungary, Greece and Luxembourg, despite EU approval of MON810 as

safe for commercial use. This followed a March 2 vote in which

Spain joined with France and other EU corn producers to allow

Austria and Hungary to maintain their provisional bans on the use

and sale of MON810 corn. According to Ministry sources, this

surprising vote did not represent a change in position by Spain on

biotechnology; rather, technical considerations justified upholding

the provisional bans pending EU-wide renewal of MON810 corn.

Industry contacts, however, assert that Spain’s vote was a political

gesture to thank French President Sarkozy for helping to arrange

President Zapatero’s presence at the November 2008 G-20 financial

summit in Washington.

 

¶6. (U) The GOS has traditionally been a strong supporter of biotech

corn due to high domestic demand for feed corn within the livestock

sector. Spain is the number two pork producer within the EU and the

number one corn importer. GM corn plantings in Spain reached nearly

200,000 acres in 2008 – approximately 30 percent of total Spanish

feed corn production. Cultivation of MON810 corn is mainly

concentrated in Aragon and Catalonia, where the European corn borer,

which MON810 protects against, is a serious pest. The feed compound

industry and the livestock sector are supportive of GM corn. Within

the agriculture sector, only left-wing farmers‘ unions have negative

opinions of GMOs.

 

RECENT DEVELOPMENTS

 

¶7. (SBU) Anti-GMO forces periodically attempt to build support for

a prohibition on GMO cultivation in Spain. According to Monsanto’s

biotechnology director, two left-wing parties have recently

discussed introducing such legislation in the Spanish parliament. A

Socialist (ruling) party Member offered reassurances that his party

would oppose such a move, but advised that the issue bears watching,

especially given the government’s uncertain majority.

 

¶8. (U) In addition, there have been worrisome developments in

several of Spain’s 17 autonomous communities, which, led by

 

MADRID 00000482 002.2 OF 002

 

 

Catalonia and the Basque Country, continue to seek more autonomy via

a vis the central government. In March 2008, the Canary Islands

were declared GM-free. Since fewer than 1,380 acres of corn are

grown in the Canaries, this is considered mostly a symbolic gesture.

However, on February 5, 2009, an initiative was proposed in the

Catalonian Regional Parliament to declare the region GM-free. The

initiative has not yet come up for a vote, and its prospects are

uncertain. Such an action would be cause for serious concern, since

Catalonia is a center of GMO corn cultivation. More recently, on

April 21, 2009, the Basque Parliament passed stringent biotech

coexistence legislation which could likely force farmers to halt

planting of MON810 due to strict compliance issues. The Spanish

Association of Biotechnology Industries (ANOVE) will challenge the

Basque legislation.

 

¶9. (U) In February 2008, France notified to the EC an Order

suspending cultivation of MON810 and further invoked safeguard and

emergency measures to provisionally prohibit the cultivation of

MON810 on its territory. In response, the Scientific Panel on

Genetically Modified Organisms of the European Food Safety Authority

(EFSA) issued a Scientific Opinion on October 29, 2008. In its

report, the panel assessed the package of documents supporting and

justifying the French safeguard clause and the duration of the

invoked measure. The panel concluded that, in terms of risk to

human and animal health and the environment, the information

provided by France presented no new scientific evidence that would

invalidate the previous risk assessments of MON810. It further

concluded that invoking the safeguard clause and emergency measure

was scientifically unjustified. The EU is currently facing the

MON810 cultivation renewal process. The renewal is the legal

condition for the lifting of the ban under French law. Within the

scientific review carried out by EFSA, the Spanish authorities and

experts have completed the environmental risk assessment for MON810

corn. According to Monsanto, the EFSA Scientific Opinion report is

being questioned. The GOF has sent letters to different Member

States urging them to sign up and request an in-depth examination of

the application for the renewal of MON810.

 

¶10. (SBU) Monsanto asserts that anti-MON810 momentum was gained by

a de facto agreement between the Government of France and

Greenpeace/Friends of the Earth whereby the GOF would support the

GMO-free movement if activists turned a blind eye to President

Sarkozy’s nuclear energy initiatives. In Spain, agricultural

factions against agricultural biotechnology include the

environmental side of MARM and organic farmers. Increasingly,

consumers are also expressing negative attitudes toward genetically

modified crops. On April 18th, the newspaper „El Pas“ conducted a

survey on whether or not GM food should be prohibited. The

following results were obtained after a one month period: 85 percent

voted „Yes, they can be dangerous“ and 15 percent voted „No, they

are absolutely safe“.

 

¶11. (SBU) Secretary of State and Deputy Minister Josep Puxeu

contacted the Charg d’Affaires on April 22, following the Basque

vote on coexistence and the German ban, to express his concern that

the Government of Spain is under increasing pressure to ban MON810

cultivation. Puxeu, a long-time supporter of agricultural

biotechnology, lamented that it was „the most complicated week of my

life.“ He asked that the USG maintain pressure on Brussels to keep

agricultural biotechnology an option for Member States and requested

that the USG work together with Spain in this endeavor. Deputy

Minister Puxeu is becoming increasingly isolated on biotech issues

at the Ministry OF Environment and and Rural and Marine Affairs

(MARM) due to the rising influence of environmental officials within

MARM as well as the increased influence of France within the Spanish

government. While MARM Minister Espinosa has come out publicly in

favor of genetic engineering in agriculture, her views on issues

will generally reflect those of the Zapatero Administration which

has recently shown itself to be fickle when it comes to voting

against France’s anti-GMO interests.

 

¶12. (SBU) ACTION REQUESTED: In response to recent urgent requests

by MARM State Secretary Josep Puxeu and Monsanto, post requests

renewed USG support of Spain’s science-based agricultural

biotechnology position through high-level USG intervention in

support of the EFSA findings. Post also requests USG support for a

non-USG science fellow to meet with influential Spanish

interlocutors on this issue and assistance with developing an

agricultural biotechnology action plan for Spain. Post would also

welcome any comments from other posts concerning the anti-GMO

campaign.

 

DUNCAN

Über Konrad Hausener

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