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Absolutes Stillschweigen um Dublin-Treffen

dublin_four_seasonSeit Freitag fanden sich zumindest 200 der einflussreichsten Menschen aus Europa, Nordamerika und Japan im Four Season Resort Hotel in Dublin ein. Wie von The Intelligence bereits berichtet, lud die Trilaterale Kommission zwischen dem 7. und 9. Mai zum jährlichen Treffen. Von zwei irischen Zeitungen abgesehen, findet sich, wie auch zu erwarten war, kein Wort darüber in den Weltnachrichten. Haben Staatsoberhäupter, Regierungssprecher und hochrangige Repräsentanten der Wirtschaft und des Bankenwesens wirklich ein Recht auf Privatsphäre? Bei derartigen Zusammenkünften behandelte Probleme und vorbereitete Entscheidung üben Einfluss auf unser aller Leben aus.

Wie schon am Freitag erwähnt, wurde die Trilaterale Kommission auf Betreiben von David Rockerfeller im Jahr 1973 gegründet. Neben der, heute zu Ende gehenden, Jahresversammlung in Dublin, sind für dieses Jahr noch das regionale europäische Treffen, vom 15. bis 17. Oktober in Bukarest, sowie ein weiteres für Mitglieder aus Nordamerika, vom 5. bis 7. November im mexikanischen Monterrey, geplant.

Äußerst beschränkte Informationen über das Gipfeltreffen finden sich in zwei irischen Zeitungen. Jedenfalls wurden zur Eröffnungsrede, die vom irischen Ministerpräsidenten Brian Cowen gehalten wurde, Journalisten zugelassen. Darin warnte er davor, dass sich die Weltmärkte bloß wegen zugesagter Finanzhilfen nicht beruhigen werden, es sei denn, die überschuldeten Staaten entschieden sich für Maßnahmen, die eigene Situation in den Griff zu bekommen, wobei er Irland als positives Beispiel anführte.

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In der Irish Times ist zu lesen, dass die geladenen Reporter angewiesen wurden, sich den einzelnen Mitgliedern der Versammlung nicht zu nähern. Namenslisten der Anwesenden gab es keine und Programmhefte wurden, sofern sie in die Hände von Journalisten gelangten, wieder konfisziert.

Im Irish Independent fanden, neben Ministerpräsident Brian Cowen, auch einige andere irische Namen Erwähnung. Von den internationalen Gästen verwies man im heute erschienen Artikel lediglich auf Henry Kissinger und Paul Volcker, dem ehemaligen Vorsitzenden der privaten amerikanischen Notenbank, Federal Reserve, der zur Zeit die Position des Vorstandes des, von der US-Regierung neu gegründeten,  „Economic Recovery Advisory Boards" bekleidet.

paul_volckerNach Cowens Rede sprach Paul Volcker ihn auf den Euro an, den dieser, „historisch betrachtet“, sehr positiv eingeschätzt hätte, der jedoch mittlerweile mit einer „Herausforderung“ konfrontiert sei. Cowens Antwort darauf: „Wenn ich Sie richtig verstehe, befürworten Sie keine weitere Zentralisierung, obwohl andere Leute das tun. Aber welchen Einfluss hat diese Krise darauf, in welche Richtung sich Europa weiter bewegen wird?“ Er erklärte, dass sich die Währung des Euro mit einem Problem der Kredibilität konfrontiert sieht. Cowen drückte seine Anerkennung zu den Vorschlägen einiger europäischer Länder aus, zu denen auch Deutschland zählt, den Regelungen in der Eurozone weitere Punkte hinzuzufügen.

 

Ein internationales Treffen dieser Rangordnung hinter verschlossenen Türen abzuhalten, lädt, nicht ganz unberechtigt, zu verschwörerischen Spekulationen ein. Ungeachtet dessen, zeigt die Situation jedoch, welchen Stellenwert „freie Bürger“ in „freien Ländern“ genießen. Von den Entscheidungen und Veränderungen, die bei derartigen Zusammenkünften getroffen werden, sind letztendlich alle Menschen der teilnehmenden Länder betroffen. Die Repräsentanten einer Demokratie werden vom Volk aus dem Volk gewählt, um die Interessen der Allgemeinheit bestmöglich zu vertreten. Grundvoraussetzung dafür, eine glaubhafte Demokratie aufrecht zu erhalten, ist es jedoch, die Bürger des Landes über gegebenen Situationen und geplante Veränderungen lückenlos und aufrichtig in Kenntnis zu setzen.

Gewiss, nicht jeder interessiert sich für Politik und für wirtschaftliche Entscheidungen. Den Zugang zu Informationen jedoch kategorisch zu unterbinden, kann nicht der Ideologie einer Demokratie entsprechen. Wenn es Repräsentanten der Regierung vorziehen, sich mit den Führern der Wirtschaft und des Geldwesens in „rein privatem Rahmen“ zu treffen, warum sollten sich die Bürger am Ende an Beschlüsse und Gesetze gebunden fühlen, die aus derartigen „privaten“ Treffen resultieren?

Zum Glück bietet das Internet eine Plattform, die es erlaubt, verfügbare Informationen einer breiten Masse zugänglich zu machen. Doch was nützt diese Möglichkeit, wenn sie nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung in Anspruch genommen wird? Was nützt es, wenn die überwiegende Mehrheit weiterhin auf die korrekte Berichterstattung der Massenmedien vertraut?

Gewiss wäre es interessant, die Reaktionen der „großen Zeitungen“ zu vernehmen, wenn sie mit der Frage konfrontiert werden, warum sie über dieses Treffen der Trilateralen Kommission absolut nichts berichten. Vielleicht sollte man die Medien mit dieser Frage massiv konfrontieren, durch Emails, durch Briefe, durch Anrufe. Vielleicht sollte man Freunde, Kollegen, Forumsleser, Twitterer, dazu auffordern, derartige Schreiben zu verfassen. Wenn Sie möchten, leiten Sie die Antworten an uns weiter, dass wir darüber berichten können. Und wenn Ihr Schreiben völlig unbeantwortet bleibt, dann wäre dies ebenfalls eine Erwähnung wert, um zu verdeutlichen, was die Medien von ihrer Informationspflicht halten. Wir hoffen, von Ihnen zu hören. 

Email: Redaktion(a.t.)TheIntelligence.de


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  17.05.2012 The Intelligence

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