Sonntag , 23 April 2017
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Ein ungestörter Blick in die Privatsphäre

zbvNein, es geht nicht um Google Street View. Die Hausfassade sieht ja schließlich jeder auch im Vorbeigehen. Nacktscanner am Flughafen? In diesem Zusammenhang sollte der gesamten Peinlichkeit, die man über sich ergehen lässt, wenn immer man ein Flugzeug besteigen möchte, wohl mehr Augenmerk geschenkt werden. Doch stellen Sie sich vor, dank technischer Hilfe, wird ein Blick in Ihre eigenen vier Wände geboten. Bei geschlossenen Vorhängen. Direkt durch die Wand. Spinnerei? Utopie? Dann haben Sie noch nie von ZBVs gehört.

Z-Backscatter Vans (ZBV) sind Fahrzeuge, die wie harmlose Lieferwägen aussehen. Ohne irgend einen Verdacht zu erregen, fahren Sie durch die Straßen. Gelegentlich halten sie an, was ja schließlich nichts Außergewöhnliches ist. Irgendwo muss ja abgeladen werden. Und wenn sich das Fahrzeug plötzlich wieder weiter bewegt, weckt dies noch immer kein Misstrauen. Falsche Adresse. Oder noch eine Runde um den Häuserblock.

ZBVs dienen jedoch weder dazu, Supermärkte mit Lebensmitteln zu beliefern noch irgend welche anderen Waren zu transportieren. Im Inneren des so harmlos aussehenden Lieferwagens befindet sich modernste Technologie. Strahlen werden gesendet und die Rückstreuung wird aufgefangen. Und dies erlaubt einen Blick, wenn auch keinen wirklich klaren, durch feste Materie. Das folgende Video (englisch) wurde vom Hersteller, American Science & Engineering, angefertigt. Natürlich geht es nur um die öffentliche Sicherheit. Es geht darum, in Fahrzeugen versteckte Bomben, Waffen oder auch Drogen ausfindig zu machen. Wenn sich die folgenden Darstellungen auch vorwiegend auf das Innere von Autos beziehen, die Technologie erlaubt natürlich auch einen Blick ins Innere von Häusern – und durch die Kleidung von Passanten.

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Hauptabnehmer der ZBVs ist das amerikanische Kriegs-, pardon, Verteidigungsministerium für den Einsatz im Irak und in Afghanistan. Wie Forbes berichtet, verkaufte der Hersteller außerdem mehr als 500 Exemplare des Spionage-Vehikels an die amerikanische und an ausländische Regierungen. Um welche Länder es sich bei den nichtamerikanischen Abnehmern handelt, wird nicht näher erläutert.

Wie schon erwähnt, dient der Einsatz dieser Technologie der öffentlichen Sicherheit. Schließlich werden wir auch regelmäßig an die Gefahr von Terroranschlägen erinnert. Aus Gründen der Vorbeugung, werden – mittels des Systems „Echelon“ – auch weltweit Telefonate abgehört. Jedes Email, das wir schreiben, jede Webseite, die wir besuchen, wird irgendwo registriert. Wir leben damit, denn schließlich haben wir nichts zu verbergen. Und, nachdem wir weder Schusswaffen noch Bomben oder Drogen in unseren Autos transportieren, brauchen wir den Röntgenblick ins Innere natürlich auch nicht zu fürchten. Ein Blick in unsere vier Wände führt zum gleichen Resultat. Zumindest in meiner Wohnung befindet sich nichts, was ich vor den Behörden verbergen müsste.

Wenn ich darüber nachdenke, frage ich mich, warum es mich trotzdem stört, wenn Institutionen, ungeachtet ob Regierungen, Geheimdienste oder Marktforscher, ständig in meine Privatsphäre eindringen. Ich habe nichts zu verbergen. Ich habe nichts zu befürchten. Und trotzdem fühle ich mich nicht wohl dabei.  

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