Wikileaks – Was steckt wirklich dahinter?
Aufdeckung ohne Offenbarung, gefolgt von Morddrohungen gegen Julian Assange. Was steckt hinter dem schwedischen Verfahren wegen angeblicher Vergewaltigung? Warum verhält sich Assange nicht neutral bezüglich der Vermutung, dass Bradley Manning, der junge US-Soldat, der sich seit Mai in Haft befindet, auch der Übermittler der diplomatischen Enthüllungen sein könnte? Julian Assange ist die Personifizierung von Wikilieaks. Er ist der Vorkämpfer für Transparenz und Pressefreiheit. Er ist der Held, der Ritter in weißer Rüstung. Handelt es sich bei der ganzen Geschichte um eine historische Entwicklung oder um gestelltes Szenario?
Julian Assange erfreut sich weltweiter Sympathien, und zum gegebenen Zeitpunkt ist keinesfalls auszuschließen, dass er diese auch wirklich verdient. Trotzdem, wenn der Ablauf von Ereignissen zu sehr an eine Hollywood-Inszenierung erinnert, taucht unvermeidlich die Frage auf, ob der Anschein auch wirklich den Tatsachen entspricht.
Organisiert von der britischen Zeitung Guardian, die mit Wikileaks ebenso zusammen arbeitet wie der Spiegel und die New York Times, bot Assange sich an, via Internet gestellte Fragen zu beantworten. Von einem User namens „girish89“ auf Worte der Anerkennung bezüglich seiner Quellen angesprochen, erklärte er:
„Während der vergangenen vier Jahre war es unser Ziel, der Informationsquelle besondere Beachtung zu schenken, die in beinahe jeder journalistischen Enthüllung das wirkliche Risiko auf sich nimmt, und ohne deren Einsatz Journalisten wertlos wären. Falls es wirklich der Fall wäre, wie vom Pentagon behauptet, dass der junge Soldat Bradley Manning hinter einigen unserer jüngsten Enthüllungen steckt, dann wäre er zweifellos ein unvergleichlicher Held.“
Der im Irak stationierte ehemalige Geheimdienst-Analyst Bradley Manning, mittlerweile 23 Jahre alt, wurde im Mai von der Militärpolizei verhaftet, nachdem er angeblich selbst einem Hacker namens Adrian Lamo in einem Email mitgeteilt hätte, dass jenes Video, das die Besatzung eines US-Militärhubschraubers beim Beschuss einer Gruppe unbewaffneter Zivilisten, zu denen zwei Reuters-Journalisten zählten, zeigte, durch ihn an Wikileaks übermittelt wurde. Wie schon Anfang Juni bekannt wurde, fand sich in den von Manning übermittelten Texten auch folgender Satz: „Hillary Clinton und einige tausend Diplomaten rund um die Welt werden Herzinfarkten erliegen, wenn sie eines Morgens erwachen und herausfinden, dass die gesamte Sammlung geheimer Unterlagen über die Auslandspolitik der Öffentlichkeit zugänglich ist.“
Manning befindet sich auf einer Militärbasis in Quantico, im US-Bundesstaat Virginia, in Haft. Falls er wegen der Weitergabe geheimer Militärdokumente schuldig gesprochen wird, könnte die zu verhängende Strafe bis zu 50 Jahren Gefängnis betragen.
Warum hat Julian Assange Mannings Namen im Zusammenhang mit der Anerkennung der Informationsquellen genannt? Der offizielle Standort von Wikileaks befindet sich deshalb in Schweden, weil die dortige Rechtslage Journalisten ermöglicht, ihre Quellen geheim zu halten. Könnte die Namensnennung in diesem Zusammenhang nicht als indirekte Bestätigung ausgelegt werden und Bradley Manning schaden?
Julian Assange ist schon seit frühester Jugend gewöhnt, spontan den Wohnort zu ändern bzw. sich versteckt zu halten. Nachdem seine Mutter Christine sich von ihrem zweiten Ehemann getrennt hatte, hielt sie sich für fünf Jahre mit ihren beiden Kindern versteckt, um die Sorgerechte für Julians Halbbruder nicht abtreten zu müssen. Seit Wikileaks im Laufe dieses Jahres durch brisante Veröffentlichungen an Popularität gewann, hielt sich Julian Assange über längere Zeit in seinem Heimatland Australien versteckt und nun in England. Wegen des Vorwurfes der Vergewaltigung in Schweden, wird mittlerweile per Interpol offiziell und international nach ihm gefahndet.
Die Vergewaltigungsvorwürfe passen natürlich perfekt ins Bild. Derartige Beschuldigungen ließen sich leicht fabrizieren. Sein Ruf scheint darunter keineswegs gelitten zu haben. Im Gegenteil.
Julian Assange ist den amerikanischen und anderen Behörden ein Dorn im Auge. In Interviews sprach er von mehreren Morddrohungen. Natürlich ist es keine Überraschung, dass Geheimdienste versuchen sollten, den Informationsfluss geheimer Dokumente zu unterbinden. Durch Angriffe gegen die Organisation, durch Hacker-Attacken, durch das Einfrieren der finanziellen Mittel, was durch das Auflösen des Moneybookers-Kontos zumindest teilweise auch geschehen ist, und letztendlich durch Attacken gegen den Mann, der Wikileaks personifiziert, Julian Assange. Allerdings, ein Mordanschlag würde letztendlich bloß Öl ins Feuer gießen. Es wäre ein Heldentod und den Dokumenten würde noch wesentlich mehr Bedeutung zugesprochen werden.
Geheimdiensten stehen aber auch andere Mittel zur Verfügung. Es handelt sich um eine altbewährte Strategie, unerwünschten Persönlichkeiten zwei Möglichkeiten zur Wahl zu stellen. Zusammenarbeit und die Bezahlung eines Vermögens und gleichzeitige Morddrohung. Warum hätten die US-Behörden diesen Schritt im Falle von Wikileaks nicht einschlagen sollen? Warum sollte Julian Assange ablehnen? Sollte ihm die CIA ein diesbezügliches Angebot unterbreitet haben, wäre es mit Sicherheit um ein Vielfaches höher ausgefallen als sich durch Wikileaks jemals verdienen ließe.
Lässt es sich wirklich glauben, dass die Machthaber dieser Welt, zu denen die US-Behörden und Geheimdienste zu zählen sind, keine Wege finden, sich einer kleinen Gruppe von Idealisten zu erwehren?
Wie in einem, kürzlich von The Intelligence veröffentlichten, Artikel bereits festgestellt wurde, erschüttern die Veröffentlichungen der diplomatischen Korrespondenz keineswegs unser Weltbild. Zumindest bis jetzt nicht.
Wie anfangs erwähnt, es lässt sich noch lange nicht ausschließen, dass die Mitarbeiter von Wikileaks, allen voran Julian Assange, aus rein idealistischer Motivation handeln. In diesem Fall verdienen sie unseren allerhöchsten Respekt.
Das abgerundete Bild jedoch, der Held, dem es gelingt, Geheimdienste an der Nase herumzuführen, das Opfer, der junge inhaftierte Soldat, dessen Idealismus ihm die Freiheit kostete, die scheinbare Machtlosigkeit der US-Behörden, die Aufmerksamkeit, die der Angelegenheit von allen bekannten Medien entgegen gebracht wird, bringt gleichzeitig aber auch den Verdacht mit sich, dass es sich um eine arrangierte Szene im großen Welttheater handeln könnte. Durchaus vergleichbar mit dem „bösen Weltfeind“, der von seinem Versteck in einer afghanischen Höhle aus die Welt in Schach hält, einer Geschichte, die aus der Feder von James-Bond-Autor Ian Flemming stammen könnte.









