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Gold oder Wolfram

goldbarren_1kgUngeachtet verwirrender Gerüchte, die seit einigen Monaten durchs Internet kursieren, gibt es tatsächlich die Möglichkeit, Wolframbarren oder auch Schmuck zu fabrizieren und mit reinem Gold zu überziehen. Ungeachtet der aufwendigen Herstellung, die Dichte der beiden Metalle ist so ähnlich, dass ein Vergleich von Gewicht und Größe absolut überzeugend wirkt. Säuretests, um den Goldgehalt der Legierung zu erkennen, bieten nur Informationen über die Oberfläche. Dass es mit derart gefälschten Goldbarren wirklich Probleme gibt, zeigt ein, im Februar ausgestrahlter, Beitrag bei ProSiebenSat1 (Video folgt). Erkennbar sind Fälschungen aber trotzdem, und zwar aufgrund der unterschiedlichen Härtegrade.

Solange Vertrauen in den Wert eines bestimmten Objektes besteht, ungeachtet, ob es sich um einen Geldschein, eine Goldmünze mit bestimmter Prägung oder einen nummerierten –Barren handelt, bieten sich für Fälscher eine ganze Menge von Möglichkeiten an. Während bestimmten Institutionen Mittel und Wege zur Verfügung stehen, Fälschungen als solche zu erkennen, ist der Normalbürger meist darauf angewiesen, sich auf die Korrektheit dieser Institutionen zu verlassen. Die Geldscheine, die mir am Bankschalter überreicht werden, sollten – so erwartete ich zurecht – auf ihre Echtheit überprüft sein. Erwerbe ich bei einer Bank eine Goldmünze, so gehe ich ebenfalls davon aus, dass die Echtheit einer durchgeführten Überprüfung standgehalten hat.

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Was die Gerüchte um die 400 Unzen schweren Goldbarren (Wert z. Z. etwa 332.000 Euro) betrifft, die in China, als mit annähernd wertloser Wolfram-Füllung versehen, entdeckt worden seien, so lässt sich diese Möglichkeit natürlich keineswegs ausschließen. In üblicherweise verlässlichen Quellen wurden vier solcher Barren erwähnt. Behauptungen, dass die acht Tonnen Gold in Ford Knox schon vor langem gegen Wolfram ausgetauscht worden seien, lassen bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit zu wünschen übrig. Nachdem der Öffentlichkeit ohnehin kein Zugang gewährt wird, könnten die Tresore dort genauso gut auch leer sein.

Anhand eines kleineren Barrens, zeigt das folgende Bildmaterial, dass die Möglichkeit eines Wolframkerns durchaus gegeben ist:

 

Wie in diesem Video zu sehen ist, so wurde der vermeintliche Goldbarren in der Mitte durchgesägt. Es gibt allerdings auch Möglichkeiten, die sich zwar nicht so anschaulich demonstrieren lassen, Fälschungen aber ebenfalls eindeutig als solche zu erkennen.

Dazu einige Angaben zu den beiden Metallen.

Die Dichte von Gold wird mit 19,3 angegeben, im Vergleich dazu, die von Wolfram mit 19,25. Während diese beiden Werte fast identisch sind, ist die sogenannte Mohshärte von Wolfram, mit 7,5, dreimal höher als von Gold. Dies führt nicht nur dazu, dass sich beim Biss auf eine Goldmünze mit Wolframkern kein Zahlabdruck erkennen lässt, auch wird die Schallgeschwindigkeit dadurch deutlich beeinflusst. Diese beträgt für Gold 1740 m/s, für Wolfram hingegen 5174 m/s. Dieser gravierende Unterschied ermöglicht natürlich Messungen.

Im Falle von Goldmünzen oder Ringen ist sogar ein durchaus einfacher Text möglich. Lässt man eine Münze auf soliden Untergrund fallen, so ist der Klang von Wolfram deutlich von dem von Gold zu unterscheiden. Wem das geübte Ohr fehlt, der braucht dafür natürlich eine echte Münze, um vergleichen zu können.

Dass es bei der Verarbeitung von Wolfram gewisse Schwierigkeiten zu überwinden gibt, hält Anbieter in Asien keineswegs davon ab, aus Wolfram hergestellten Schmuck anzupreisen. Der Schmelzpunkt von Wolfram ist mit 3.422 Grad Celsius mehr als dreimal so hoch wie der von Gold (1.064 Grad C), sogar höher als dessen Siedepunkt (2.856 Grad C). Die Firma China Tungsten, verweist auf ihrer Webseite zwar eindeutig darauf, dass ihre vergoldeten Wolfram-Produkte ausschließlich Souvenir-Zwecken dienen, doch die Art der Aufmachung soll natürlich bewusst zu gewissen Ideen einladen.

Dass wir auf diese Webseite verweisen, ist übrigens keinesfalls als Motivation gedacht, dort Einkäufe zu tätigen, sondern vielmehr als Warnung vor dem Erwerb von Goldschmuck, Münzen oder auch Barren aus unverlässlichen Quellen, zu verstehen.

Abschließend würde ich erwähnen, dass die Gefahr, dass sich in den Tresoren der Währungsbanken wertloses Wolfram, anstatt Gold, befinden könnte, schon dadurch als geringfügig einzustufen ist, dass der Goldpreis nach Auftauchen derartiger Informationen im Vorjahr nicht im geringsten darauf reagiert hat. Dass der Verlobungsring im Kern vielleicht aus Wolfram bestehen könnte, sollte wohl auch nicht zu den größten Problemen zählen. Bis das Gold an der Oberfläche abgenützt ist und der wahre Inhalt zum Vorschein kommt, ist die Ehe ohnehin schon lange wieder geschieden oder hat zumindest auch der Mann seinen wahren Charakter schon oft genug unter Beweis gestellt.

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  17.05.2012 The Intelligence

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