Sonntag , 11 Dezember 2016
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Wassergeschäfte von Nestlé in der Dritten Welt

Die dritte Welt wird zur Ader gelassen: Die Wassergeschäfte der Firma Nestlé

Verbraucher in Deutschland bringen mit dem Namen Nestlé meist nur Schokolade oder Kaffee in Verbindung. Tatsächlich stellt Nestlé unter den verschiedensten Marken praktisch alles her, was zur menschlichen Ernährung benötigt wird, von Babynahrung bis zu Tiefkühlkost, über Tierfutter bis hin zu Fertiggerichten. Es nicht übertrieben zu behaupten, dass kaum jemand keine Nestlé-Produkte konsumiert. Während der Konzern in den Industriestaaten durch strenge Gesetze, Kontrollen und einen aktiven Verbraucherschutz (noch) im Zaum gehalten wird, kann sich der Gigant in den ärmeren Ländern richtig austoben und Profite scheffeln, da sich ihm dort niemand entgegenstellen kann oder will. Dabei gewinnt das Geschäft mit dem Trinkwasser immer mehr an Bedeutung. Mit diesem lebenswichtigen Gut erzielt die Firma bereits mehr als 10 Prozent ihres Umsatzes und der Anteil wächst rapide.

Warum wird Trinkwasser knapp?

Dass die Weltbevölkerung ständig weiter anwächst, ist eine längst bekannte Tatsache. Fakt ist auch, dass sich dieser Bevölkerungswachstum bis auf wenige Ausnahmen in den Ländern der Dritten Welt abspielt. Immer mehr Menschen kämpfen um immer knapper werdende Ressourcen. Da nützt es auch nichts, dass die UN das Recht auf sauberes Trinkwasser zu einem Grundrecht erklärt hat. Das Bevölkerungswachstum ist nur ein Grund dafür, dass das Trinkwasser in der Dritten Welt knapp wird. Die Industriestaaten haben auch einen großen Anteil daran.

 

Auf immer mehr Flächen wird in tropischen und subtropischen Ländern die traditionelle Landwirtschaft verdrängt und durch Monokulturen ersetzt, die Agrarprodukte für den Export in die Industriestaaten erzeugen. Beispiele dafür sind Kaffee, Kakao, aber auch Bananen und Schnittblumen. Diese Monokulturen belegen nicht nur das fruchtbarste Land, sie werden auch intensiv bewirtschaftet und verbrauchen viel mehr Wasser als einheimische Kulturen. Den Einheimischen wird buchstäblich das Wasser abgegraben. Dazu kommt noch, dass durch die intensive Bewirtschaftung immer mehr Rückstände an Pestiziden und Düngemitteln in den Boden und letztendlich ins Grundwasser gelangen.

 

Verschmutztes Wasser verursacht in der Dritten Welt mehr Todesfälle, als Malaria, Aids und Infektionskrankheiten zusammen!

 

Die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, die Kinder, sind besonders hart betroffen.

Wie funktioniert das Geschäft mit dem Wasser?

Hier kommt der Konzern Nestlé ins Spiel. Er heuchelt Anteilnahme am Schicksal der armen Menschen und verspricht, den Markt mit sauberen Wasser zu versorgen. Das ist ein perfides Spiel, denn er nimmt eine Ressource, die eigentlich kostenlos zur Verfügung steht und verdient Milliarden daran. Das Geld kommt von Menschen, die sich sowieso kaum das Nötigste zum Leben leisten können und sauberes Trinkwasser, das in Deutschland wie selbstverständlich aus dem Wasserhahn kommt, wird zu einem Luxusgut, das in Flaschen abgefüllt und in Supermärkten verkauft wird. Dazu geht Nestlé systematisch und an mehreren Fronten gleichzeitig vor.
Zunächst sichert sich das Unternehmen die saubersten und ergiebigsten Wasserquellen des jeweiligen Landes. Da in vielen armen Ländern Korruption weit verbreitet ist, stellt das kein Problem dar. Nestlé errichtet eine Abfüllanlage und wird dafür sogar noch gelobt, weil es in das betreffende Land investiert, Arbeitsplätze schafft und Steuern zahlt. Die Tragödie nimmt ihren Lauf, weil Nestlé das Wasser intensiv abpumpt und so der Grundwasserspiegel in weiten Gebieten absinkt. Das nachsickernde Wasser ist häufig erheblich belastet und verursacht gesundheitliche Probleme. Diesen Umstand nutzt Nestlé aus, indem es die Reklametrommel für sein sauberes Wasser schlägt. Der Erfolg gibt dieser Strategie Recht, denn wer es sich leisten kann, kauft sich das Wasser von Nestlé, weil es sauber und gesundheitlich unbedenklich ist. Genau dort liegt der springende Punkt. In Ländern, in denen ein großer Teil der Bevölkerung mit weniger als 1 US Dollar pro Tag auskommen muss, kann sich nur die reiche Oberschicht das abgefüllte Wasser leisten, alle anderen müssen mit dem Vorlieb nehmen, was sie finden.
Rohstoffverschwendung für Plastikflaschen
Rohstoffverschwendung für Plastikflaschen / Bild: kobiecanka – Pixabay.com/de

Es gibt noch mehr Probleme

Mineralwasser wird in Plastikflaschen abgefüllt, die sich nur langsam oder gar nicht zersetzen. Auf einmal werden Länder mit Bergen von Plastikmüll konfrontiert, die in keiner Weise darauf vorbereitet sind und in denen es gar nicht die notwendigen technischen Einrichtungen gibt, ihrer Herr zu werden. Das Ergebnis ist eine ständig wachsende Umweltverschmutzung und eine Zunahme ökologischer Probleme aller Art. Plastikflaschen werden ja bekanntlich aus Erdöl hergestellt. Für die Produktion werden nicht nur viel Energie, sondern auch jede Menge umweltschädlicher Stoffe benötigt, die im Material der Flaschen enthalten sind und eines Tages wieder in die Umwelt zurück gelangen.

Was geht das uns an?

In Deutschland kommt doch sauberes Wasser zu einem relativ günstigen Preis aus der Leitung? Ja, das stimmt, jedenfalls noch. Denn auch hier verfolgt Nestlé dieselbe Strategie wie in den Entwicklungsländern. Der Konzern und seine von ihm bezahlten Fürsprecher machen sich seit Jahren für eine Privatisierung der Trinkwasserversorgung stark und nennen dafür alle möglichen Argumente. Bis jetzt hatten sie damit noch keinen Erfolg, aber wie lange noch?

 

Viele Städte und Gemeinden in Deutschland sitzen auf riesigen Schuldenbergen, da ist die Versuchung groß, sie durch den Verkauf der Wasserwerke und Wasseraufbereitungsanlagen wenigstens etwas zu verringern. Sollte das klappen, könnte Nestlé hier ein ähnliches Spiel treiben wie in der Dritten Welt. Zwei weitere Probleme, die auch vor Deutschland nicht Halt machen, stehen damit in unmittelbaren Zusammenhang. Das erste und augenscheinlichste sind Flüchtlinge. Die Menschen fliehen nicht nur vor Krieg und Verfolgung, sondern auch vor den schlechten Lebensbedingungen in ihren Heimatländern und suchen Zuflucht im „Paradies“ Deutschland.

 

Das zweite Problem ist der Müll. Plastikmüll ist inzwischen zu einem weltweiten Problem geworden, weil er von Grenzen nicht aufgehalten wird. Auf den Meeren haben sich schon ganze schwimmende Inseln aus Müll gebildet, die das Leben in den Ozeanen negativ beeinflussen. Letztendlich ist die These von der „Dritten Welt“ falsch, denn es gibt nur eine Erde und die Probleme der Einen werden über kurz oder lang zu den Problemen aller.
Titelbild: Urheber: ksc / 123RF

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