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Das trojanische Spiel – Ein Krimi, wie er sein soll

das trojanische spiel Ein Krimi muss es sein. Zum Entspannen greife ich gerne zu Geschichten aus dem kombinierenden Milieu, meist geschrieben von mir bereits bekannten Autoren. Diese Tatsache könnte ich hochtrabend mit Umschreibungen wie “gleichbleibende Qualität“ oder „gute Schreibe” begründen. Aber ich bin ehrlich: Die Couch teile ich lieber mit vertrauten Ermittlern, da bin ich zu faul, mich auf Neues einzustellen.

Es lag wohl am Prolog, der mein Interesse für „Das trojanische Spiel“ – geschrieben von dem mir bis dahin unbekannten Alex Lauzon – weckte und mich letztendlich zum Ladeclick verleitete: Zwei würfelnde Greise in einem Kafeneion irgendwo auf Rhodos, eine junge Deutschsprachige am Nebentisch, zusammen mit einem Mann – Freund, Partner oder Verbündeter? – Gesprächsfetzen wie „im Wald vergraben“ und „Leiche“, die vom Nachbartisch ertönen.Die junge Dame aus dem Prolog entpuppt sich dann auch als Danae Doppelhofer, Wiener Kripobeamtin, deren erster Fall und der von ihr eingeschlagene Lösungsweg durchaus das Ende ihrer eben erst begonnenen Karriere bedeuten könnte.

Auf billige Effekthascherei wie Dauerfeuer aus 6-Schuss-Revolvern oder blutrünstigst ausgedehnte Greuelszenen verzichtet der Autor. Solche Szenenbeschreibungen hat er auch nicht nötig, der Spannungsbogen baut sich während der realistisch beschriebenen Polizeiarbeit und durch die schlüssige Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge auf: Ein Opfer, das sich zu Lebzeiten genügend Feinde im Glücksspiel- und Rotlichtmilieu machte, eine Kripobeamtin, die im männlichen Kollegenkreis ihren Platz behaupten möchte, sich zudem um ihre alleinerziehende Freundin sorgt und selbst der Faszination eines undurchsichtigen Mannes zu erliegen scheint.

Der fleißig mitermittelnde Leser fühlt sich mitten drin im Geschehen mit Wiener Lokalkolorit. Durch den kleinen vom Autor vergönnten Informationsvorsprung möchte er hie und da eingreifen, um die Protagonisten nicht auf Abwege bzw. ins offene Messer laufen zu lassen. Aber keine Sorge, selbst ein routinierter Sherlock im Lesesessel kann noch überrascht werden.

das trojanische spiel Interessant sind auch die Szenen rund ums Pokerspiel: Die Botschaft ist klar, Poker ist keines der üblichen Glücksspiele, sondern basiert auf analytischem Denken und strategischem Ausloten der Wahrscheinlichkeiten. Dies kommt nicht von Ungefähr: Zwar gibt der in Kanada lebende Alex Lauzon mit „Das trojanische Spiel“ sein (gelungenes) Debüt als Kriminalautor, als Verfasser einschlägiger Literatur ist der Profipokerer aber hinlänglich bekannt und erfolgreich, sozusagen ein alter Hase. Aber das gibt Stoff für eine andere Rezension.

„Das trojanische Spiel“ kostet € 6,99 und steht als Amazon Kindle-Edition hier zum Download bereit. Sie brauchen dazu übrigens nicht unbedingt einen Kindle-Reader. Amazon stellt für PC, Mac, Android, iPhone und iPad eine kostenlose Kindle-Lese-App zur Verfügung.

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